Angst vor Zahnbehandlungen

Fünfzig bis sechzig Prozent der Bevölkerung erleben den Zahnarztbesuch als unangenehmes Ereignis. Etwa zehn bis fünfzehn Prozent gehen mit starken Ängsten zum Zahnarzt und ein bis zwei Prozent haben stark phobische Zustände, bevor sie sich einer Zahnbehandlung unterziehen.

Auffällig ist, dass junge Menschen mehr Zahnarztängste haben als ältere. Das lässt sich aus der Situation erklären, dass junge Menschen bzw. Kinder sehr häufig weniger Selbstbestimmungsrecht haben und dadurch Zahnarztängste mehr unterdrücken.

Zudem zeigt sich bei Menschen im höheren Lebensalter eine gewisse Toleranz beim Erleben von Schmerzzuständen.

Bei den interkulturellen Vergleichsstudien liegen Japaner mit einem Anteil an zahnarztängstlichen Personen von zwanzig Prozent im Spitzenfeld. Außerdem zeigen sich z.B. Leute mit höherem Einkommen als weniger zahnarztängstlich als Personen mit niedrigem Einkommen. Auch die Bildung spielt hier eine gewisse Rolle. Ein höherer Bildungsstatus geht mit geringerer Zahnarztangst einher. Frauen leiden häufiger unter zahnarztphobischen Zuständen als Männer.

Zahnbehandlungsängste und Zahnarztbesuche:

Unserer Erfahrung nach schwankt das Zahnarztbesuchs-Vermeidungsverhalten sehr stark im Hinblick auf die Zahngesundheit. Das heißt, wenn jemand lange nicht zum Zahnarzt geht, hat er eine schlechtere Zahngesundheit aufzuweisen. Bei herabgesetzter Zahngesundheit steigt die Zahnbehandlungsangst und aus diesem Kreislauf heraus werden weitere Zahnarztbesuche vermieden.

Das Foto zeigt die möglichen Folgen von extremer Zahnarzt-Vermeidung für den Zustand des Gebisses.

Auf der anderen Seite gibt es PatientInnen, die gerade wegen der extremen Zahnarztangst ein hohes Ausmaß an sorgfältiger individueller Mundhygiene betreiben, um nicht zum Zahnarzt zu müssen.

Zudem soll erwähnt werden, dass das Zahnarzt-Vermeidungsverhalten auch aus einem gewissen Schamgefühl heraus zustande kommt, da aufgrund des längeren Fernbleibens vom Zahnarzt die Zahnschäden in viel höherem Maße von den PatientInnen wahrgenommen werden.

Letztendlich ist noch die Gruppe der Jugendlichen zu erwähnen, die aus Protestgründen und aus einer gewissen Verhaltensproblematik den Eltern gegenüber eine herabgesetzte individuelle Mundhygiene betreiben und sich dadurch aufgrund der zunehmend schadhaften Zähne in eine Zahnbehandlungsangst hinein manövrieren.

Lebensqualität und Zahnbehandlungsangst:

In unserer Praxis wird zu Beginn der Behandlung ein spezieller Fragebogen hinsichtlich der Wechselwirkungen zwischen der Lebensqualität unserer PatientInnen und ihren Zahnbehandlungsängsten ausgefüllt.

Für viele Menschen wird die Lebensqualität in gewissem Maße von der Zahngesundheit beeinflusst.

Es ist auch vielen PatientInnen bewusst, dass die eingeschränkte Mundgesundheit ein vorübergehender Zustand ist, der sich mit der Zahnbehandlung und mit der damit verbundenen Linderung der Zahnbehandlungsangst korrigieren lässt.

Bei Zahnbehandlungsphobikern besteht zudem eine stark erhöhte Schmerzerwartung. Die Konzentration auf den zu erwartenden Schmerz führt als sich selbst erfüllende Prophezeiung zu einem Schmerzzustand, der aus der Erwartungshaltung weit übertriebener erlebt wird als bei Nicht-Zahnarztphobikern.

Beim Erleben des Schmerzes ist für Zahnphobiker weniger das Ausmaß des Schmerzes als der unsachgemäße Umgang des Zahnarztes bzw. der Zahnarzthelferinnen mit der Schmerzqualität von hoher Bedeutung.

Zahnarztangst und andere Erkrankungen:

Sehr häufig findet man bei Asthmatikern, depressiven Personen und Menschen mit Essstörungen eine gesteigerte Zahnbehandlungsangst. Zudem muss gesagt werden, dass viele andere Phobien, wie z.B. Platzangst, Spinnenangst oder Höhenangst mit zahnarztphobischen Zuständen vergesellschaftet sind.

Wichtige Begriffe im Zusammenhang mit Zahnbehandlungsängsten:

Angst:

Angst ist in der Regel auf die Erwartung einer Gefahr, ein Gefühl des „Ausgeliefertseins“ und eine hochgradigen Desorientierung zurückzuführen. Diese Zustände lösen körperliche Erscheinungen wie Schwitzen, Zittern, Herzrasen, Mundtrockenheit oder Harndrang aus. Typische Reaktionen auf Angst sind Angriff, Flucht oder Totstellen.

Furcht, Phobie:

Der Begriff der Phobie ist eine umschriebene Form von Furcht, die in hohem Maße mit einem Vermeidungsverhalten verbunden ist. Unter Phobie versteht man eine anhaltende Angst vor Situationen, Gegenständen, Tätigkeiten oder Personen, also allgemein vor einem phobischen Stimulus. Sie äußert sich im übermäßigen und unangemessenen Wunsch, den Anlass der Angst zu vermeiden. Beispiele sind die Angst (eigentlich Furcht bzw. Phobie) vor Schlangen, Spinnen, Höhe, Enge oder dem Fliegen.

>> Lesen Sie weiter zu unseren Behandlungsstrategien bei AngstpatientInnen.